Silikon richtig kleben: Welcher Klebstoff für welche Anwendung?

Silikon ist einer der schwierigsten Werkstoffe zum Verkleben. Klassische Klebstoffe wie Cyanacrylat oder Epoxidharz haften an der niederen Oberflächenenergie des Silikons praktisch nicht. Dieser Leitfaden zeigt, welche Klebstoffe wirklich funktionieren und welche Vorbehandlung für eine dauerhafte Klebung notwendig ist.
Warum ist Silikon so schwer zu kleben?
Silikon hat mit 22 mN/m eine extrem niedrige Oberflächenenergie – ähnlich wie PTFE oder Polyethylen. Klebstoffe müssen aber benetzen können, um eine Klebung zu bilden. An der glatten, energiearmen Silikonoberfläche perlen die meisten Klebstoffe einfach ab.
Zusätzlich ist das Polysiloxan-Rückgrat chemisch sehr inert – es gibt kaum reaktive Gruppen, an die ein Klebstoff chemisch andocken könnte. Erfolgreiches Verkleben von Silikon erfordert daher entweder einen Spezialklebstoff (Silikon-Klebstoff) oder eine Oberflächenaktivierung durch Primer, Plasma oder Co-Extrusion.
Welche Klebstoffe funktionieren auf Silikon?
| Klebstoff | Haftung auf Silikon | Empfohlene Anwendung |
|---|---|---|
| Silikon-Klebstoff (RTV-1) | sehr gut | Dichtmasse, dauerelastische Verbindung |
| Cyanacrylat mit Silikon-Primer | gut (nach Vorbehandlung) | kleine, präzise Klebungen |
| 2K-Epoxidharz | schlecht ohne Primer | nicht empfohlen für reine Silikonklebung |
| Polyurethan-Kleber | schlecht | nicht empfohlen |
| Heißschmelzkleber (PSA) | schlecht | nicht empfohlen |
| UV-aktivierter Acrylatkleber | mit Plasmavorbehandlung möglich | Industrieanwendungen |
Silikon-Klebstoff: Das Standardverfahren
Der zuverlässigste Weg, Silikon zu verkleben, ist die Verwendung von Silikon-Klebstoff – also einem RTV-Silikon mit hoher Anfangshaftung. Diese Klebstoffe vernetzen mit der Luftfeuchtigkeit innerhalb von 24 bis 72 Stunden und bilden eine dauerelastische Verbindung mit Temperaturbeständigkeit von –50 bis +250 °C.
Vorgehensweise: Klebefläche entfetten (Isopropanol), Silikon-Klebstoff in einer 2–3 mm dicken Raupe auftragen, sofort fügen, mit leichtem Druck (0,5–1 bar) für 30 Minuten fixieren. Endfestigkeit nach 24 Stunden bei +23 °C / 50 % Luftfeuchte erreicht. Dünne Klebefugen härten schneller aus als dicke.
Primer-Vorbehandlung für andere Klebstoffe
Wenn aus Anwendungsgründen kein Silikon-Klebstoff verwendet werden kann (z. B. weil eine starre Verbindung erforderlich ist), kommt ein Primer zum Einsatz. Silikon-Haftvermittler wie Loctite SF 770 oder 3M Primer 4000 enthalten Silan-Verbindungen, die mit dem Silikon reagieren und reaktive OH- oder NH₂-Gruppen einbauen.
Vorgehensweise: Klebefläche reinigen, dünne Primer-Schicht mit Pinsel oder Tuch auftragen, Ablüftzeit beachten (typisch 1–3 Minuten), dann mit Sekundenkleber oder Epoxid kleben. Die Klebung wird starr, kann aber Bruchfestigkeiten bis 5 N/mm² erreichen.
Plasma-Vorbehandlung in der industriellen Fertigung
Im industriellen Serienprozess wird die Silikonoberfläche durch Niederdruck- oder Atmosphärendruckplasma aktiviert. Dabei werden reaktive Sauerstoff- oder Stickstoffgruppen an der Oberfläche erzeugt. Die Oberflächenenergie steigt von 22 mN/m auf über 50 mN/m – danach lassen sich praktisch alle Klebstoffe und Lacke aufbringen.
Lindemann liefert Silikonprofile und -teile auf Wunsch mit plasmaaktivierten Klebeflächen, die direkt zur Verklebung mit Acrylat- oder Polyurethanklebstoffen einsatzbereit sind.
Co-Extrusion: Klebefläche aus Thermoplast
Bei Profilen und Schläuchen kann eine thermoplastische Klebefläche direkt in der Produktion auf das Silikon aufextrudiert werden (Co-Extrusion mit PA, PP oder PE). Die Silikon-Thermoplast-Verbindung entsteht durch chemische Bindung im Extrusionsprozess.
Vorteil: das fertige Produkt hat eine konventionelle Kunststoffklebefläche, die mit Standardklebstoffen problemlos verarbeitet werden kann – die Silikoneigenschaften bleiben im restlichen Querschnitt erhalten.
Häufig gestellte Fragen
Am besten haftet Silikon-Klebstoff selbst (RTV-Silikon mit Anfangshaftung). Für andere Klebstoffe ist ein Silikon-Primer (Loctite SF 770, 3M Primer 4000) oder eine Plasmavorbehandlung notwendig. Ohne Vorbehandlung haften klassische Klebstoffe wie Sekundenkleber oder Epoxid praktisch nicht auf Silikon.
Nur mit Silikon-Primer als Vorbehandlung. Reiner Cyanacrylatkleber haftet an der niederen Oberflächenenergie nicht. Spezielle Sekundenkleber für Silikon werden mit Aktivator geliefert – die Klebung ist dann starr und nicht elastisch.
Silikon-Klebstoffe (RTV-1) sind UV- und witterungsbeständig bis 30 Jahre. Sie bleiben elastisch und sind die Standardwahl für Außenanwendungen wie Verglasung, Sanitärfugen und Fassadendichtungen.
Drei Hauptursachen: (1) Klebefläche verschmutzt oder fettig – mit Isopropanol reinigen; (2) falscher Klebstoff – auf Silikon-Klebstoff wechseln; (3) Oberfläche zu glatt – Primer oder Plasmavorbehandlung. Bei alten Silikonschichten zusätzlich mechanisch anrauen.
RTV-1 Silikonkleber benötigen 24–72 Stunden für die volle Vernetzung. Oberflächlich ist die Klebung nach 1–3 Stunden hautbildend, durchgehärtet erst nach 1–7 Tagen je nach Wanddicke und Luftfeuchtigkeit. Mindestens 24 Stunden vor mechanischer Belastung warten.
Ja, sehr gut. Glas ist eine der besten Klebeflächen für Silikon-Klebstoffe – wegen der hohen Oberflächenenergie des Glases (300+ mN/m). Standardanwendung: Verglasung, Aquarienbau, Sanitärfugen. Zugfestigkeit der Klebung typisch 2–3 N/mm².
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