Weitere Fragen aus der Praxis
Worin unterscheiden sich LSR und RTV Silikon?
LSR Silikon vernetzt unter Wärme im Spritzgusswerkzeug, RTV Silikon härtet bei Raumtemperatur aus. LSR wird als zweikomponentige Flüssigmasse maschinell zu Formteilen in Serie verarbeitet. RTV dient dagegen als Dicht-, Kleb- und Vergussmasse, die ohne Presse oder Ofen direkt am Bauteil vulkanisiert.
Was ist der Unterschied zwischen RTV-1 und RTV-2 Silikon?
RTV-1 Silikon ist einkomponentig und vernetzt mit Luftfeuchtigkeit, RTV-2 Silikon besteht aus zwei Komponenten, die nach dem Mischen aushärten. RTV-1 wird typisch als Dichtstoff aus der Kartusche verarbeitet. RTV-2 eignet sich für Verguss und Formenbau, weil die Aushärtung auch in dickeren Schichten und ohne Luftkontakt abläuft.
Wie wird HTV-Silikon verarbeitet?
HTV-Silikon wird als feste Rohmasse durch Extrusion oder Formpressen verarbeitet und unter Wärme vulkanisiert. Bei der Extrusion entsteht Meterware wie Silikonschläuche und Silikonprofile, im beheizten Werkzeug entstehen Formteile und Dichtungen. Nach der Vulkanisation kann je nach Anwendung ein Tempern folgen, um flüchtige Bestandteile zu reduzieren.
Welche Zulassungen sind für Silikon im Lebensmittelkontakt relevant?
Für den Lebensmittelkontakt sind in der Praxis die BfR-Empfehlung XV und die FDA-Vorschrift 21 CFR 177.2600 maßgeblich. Die BfR-Empfehlung XV ist dabei eine Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung, keine Rechtsvorschrift. Ob ein Silikon konform ist, hängt vom jeweiligen Compound ab und wird über Rezeptur und entsprechende Prüfungen nachgewiesen.
Was bedeutet USP Class VI bei Silikon?
USP Class VI ist eine Prüfklassifizierung nach USP <88> für die biologische Reaktivität von Kunststoffen. Silikon-Compounds, die diese Prüfungen bestehen, kommen für Komponenten in Pharma- und Medizintechnik in Betracht. Die Einstufung ersetzt jedoch keine vollständige Biokompatibilitätsbewertung des fertigen Produkts in seiner Endanwendung.
Wie wird die Härte von Silikonprodukten angegeben?
Die Härte von Silikonelastomeren wird in Shore A angegeben. Je nach Compound lassen sich weiche bis harte Einstellungen realisieren, die Auswahl richtet sich nach der Funktion des Bauteils, etwa Dichtwirkung, Rückstellverhalten oder mechanischer Beanspruchung. Maßgeblich ist der Wert im Datenblatt des jeweiligen Compounds.
Nach welcher Norm werden Toleranzen für Silikonprofile festgelegt?
Maßtoleranzen für extrudierte Silikonprofile und Formteile aus Elastomeren werden nach ISO 3302-1 festgelegt. Die Norm definiert Toleranzklassen, aus denen je nach Funktion der Dichtung oder des Profils die passende Klasse gewählt wird. Engere Toleranzen erhöhen den Fertigungs- und Prüfaufwand und werden dort spezifiziert, wo die Anwendung sie erfordert.






