
Silikon ist eines der temperaturstabilsten Elastomere überhaupt. Standardsilikon (VMQ) ist dauerhaft von –50 °C bis +200 °C beständig und hält kurzfristig bis zu +300 °C aus. Hochtemperatursilikon (HTV) erreicht dauerhaft +250 °C und kurzfristig +350 °C, Phenyl-Silikon (PVMQ) geht bis –100 °C im Tieftemperaturbereich. Damit deckt Silikon einen Temperaturbereich ab, der von keinem anderen Elastomer annähernd erreicht wird.
Temperaturbereiche der wichtigsten Silikontypen
Die folgende Übersicht zeigt die Dauer- und Spitzentemperaturen der wichtigsten Silikontypen. Diese Werte gelten für korrekt dimensionierte Bauteile ohne extreme chemische Zusatzbelastung.
| Silikontyp | Dauerhaft | Kurzfristig | Min. Temperatur | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| VMQ (Standard-Silikon) | +200 °C | +300 °C / 15 min | –50 °C | Schläuche, Profile, Dichtungen |
| HTV-Silikon (Hochtemperatur) | +250 °C | +350 °C / 30 min | –60 °C | Motordichtungen, Industrieöfen |
| PVMQ (Phenyl-Silikon) | +200 °C | +250 °C | –100 °C | Luftfahrt, Kryotechnik |
| FVMQ (Fluor-Silikon) | +200 °C | +250 °C | –55 °C | Kraftstoff- und Ölkontakt |
| LSR (Liquid Silicone Rubber) | +200 °C | +250 °C | –50 °C | Medizin, Lebensmittel, Mikroteile |
| Sondersilikon (HCR + Wärmestabilisator) | +300 °C | +380 °C / kurz | –50 °C | Brandschutz, Heißluftkanäle |
Was bedeutet Temperaturbeständigkeit bei Silikon?
Temperaturbeständigkeit beschreibt, in welchem Bereich ein Silikonelastomer seine mechanischen und chemischen Eigenschaften beibehält. Dabei sind zwei Werte entscheidend: die Dauergebrauchstemperatur (kontinuierliche Belastung über Monate oder Jahre) und die Spitzentemperatur (kurzzeitige Belastung über Minuten bis Stunden). Während Thermoplaste wie PE oder PP bereits bei 80 °C ihre Form verlieren, behält Silikon seine Elastizität und Dichtfunktion bis +200 °C oder mehr.
Die hohe Temperaturbeständigkeit beruht auf der Si-O-Si-Bindung im Polysiloxan-Rückgrat. Diese Bindung ist mit 450 kJ/mol deutlich stärker als die C-C-Bindung organischer Polymere (350 kJ/mol). Deshalb ist Silikon thermisch deutlich stabiler als konventionelle Kunststoffe und Gummiwerkstoffe.
Kurzfristige vs. dauerhafte Temperaturbelastung
Die Unterscheidung zwischen Dauer- und Kurzzeittemperatur ist für die Auslegung von Bauteilen entscheidend. Ein Silikonschlauch in einer Kaffeemaschine sieht 95 °C als Dauerbelastung – problemlos für VMQ. Eine Backofendichtung erlebt 220 °C im Dauerbetrieb – hier ist HTV nötig.
Dauertemperatur bezeichnet den Bereich, in dem das Silikon über 1.000 bis 10.000 Stunden hinweg seine wichtigsten Eigenschaften (Reißfestigkeit, Druckverformungsrest, Elastizität) beibehält. Oberhalb dieser Grenze tritt eine schleichende oxidative Versprödung ein.
Kurzzeittemperatur ist die obere Grenze für temporäre Belastungen – etwa Heißdampf-Sterilisation, Heißwasch-Zyklen oder Anfahrspitzen in Anlagen. Hier ist die Belastungsdauer auf Minuten oder wenige Stunden begrenzt, bevor das Material nachhaltig geschädigt wird.
Silikontypen und ihre Temperaturbereiche
Lindemann verarbeitet je nach Einsatzbereich unterschiedliche Silikontypen. Die Wahl beeinflusst direkt die maximale Temperatur und damit die Lebensdauer des Bauteils im Anwendungsfall.
VMQ – Standard-Silikon für die meisten Anwendungen
VMQ (Vinyl-Methyl-Silikon) ist der wirtschaftlichste Silikontyp. Mit einem Dauertemperaturbereich von –50 °C bis +200 °C deckt VMQ etwa 80 % aller industriellen Silikon-Anwendungen ab: Sanitärschläuche, Lebensmittelmaschinen, Pharmaschläuche, Standard-Profile. Lindemann fertigt VMQ-Produkte in Shore-Härten von A 30 bis A 80.
HTV-Silikon – für Dauertemperaturen über 200 °C
HTV (High Temperature Vulcanizing) bezeichnet hier nicht den Verarbeitungsprozess, sondern eine speziell wärmestabilisierte Rezeptur. Durch den Zusatz von Eisenoxid-Pigmenten oder Cer-Verbindungen wird die Oxidationsstabilität deutlich erhöht – HTV-Silikon hält dauerhaft +250 °C aus. Anwendungsbereiche: Motorraumdichtungen, Backofendichtungen, Industrieöfen, Heißluftschläuche.
PVMQ – Phenyl-Silikon für tiefe Temperaturen
PVMQ enthält zusätzlich Phenylgruppen am Polysiloxan-Rückgrat. Diese verschieben den Glasübergangspunkt von –120 °C (Standard-VMQ) auf etwa –135 °C. Damit bleibt PVMQ bis –100 °C im praktischen Einsatz elastisch. Hauptanwendung: Luft- und Raumfahrt, Tieftemperaturlogistik, Kryotechnik.
FVMQ – Fluor-Silikon für Öl- und Kraftstoffkontakt
FVMQ kombiniert die Temperaturstabilität von Silikon mit der Chemikalienbeständigkeit von Fluorpolymeren. Bei –55 °C bis +200 °C ist FVMQ beständig gegen Mineralöle, Benzin, Diesel und viele Lösungsmittel – ein Bereich, in dem Standard-VMQ versagt. Einsatz: Kfz-Treibstoffleitungen, Hydraulikdichtungen, Pumpenmembranen in der Chemie.
LSR – Flüssigsilikon für komplexe Spritzgussteile
LSR (Liquid Silicone Rubber) wird im Zweikomponentenspritzguss verarbeitet. Temperaturbereich: –50 °C bis +200 °C, mit speziellen Wärmestabilisatoren auch bis +250 °C kurzfristig. LSR erlaubt höchste Maßgenauigkeit und kurze Zykluszeiten – ideal für medizinische Mikroteile, Babyprodukte, Lebensmittel-Formteile und Mehrkomponentenverbundteile (LSR auf Thermoplast).
Vergleich Silikon mit anderen Elastomeren
Im direkten Vergleich zeigt sich, warum Silikon bei Hochtemperaturanwendungen konkurrenzlos ist. Während EPDM und NBR aus Kostengründen oft die erste Wahl sind, scheitern beide Materialien an Dauertemperaturen über 150 °C.
Was passiert bei Überschreitung der Temperaturgrenzen?
Silikon schmilzt nicht. Es ist ein vernetzter Elastomer und verhält sich fundamentaler anders als Thermoplaste. Bei Überschreitung der Dauertemperatur tritt zunächst eine langsame oxidative Versprödung ein – das Material wird härter, die Reißfestigkeit nimmt ab. Sichtbar wird das nach Wochen bis Monaten.
Oberhalb von 350 °C beginnt die thermische Zersetzung der Si-O-Bindungen. Die Endprodukte sind Siliziumdioxid (SiO₂), Kohlendioxid und Wasser – alle nicht toxisch. Im Brandfall hinterlässt Silikon eine isolierende SiO₂-Schicht, die das darunterliegende Material schützt. Aus diesem Grund wird Silikon in Brandschutzanwendungen und in der Kabelisolierung sicherheitskritischer Systeme eingesetzt.
Anwendungen hitzebeständiger Silikonprodukte
Hitzebeständiges Silikon ist überall dort gefragt, wo andere Elastomere thermisch oder chemisch versagen. Typische Industrieanwendungen umfassen:
- Backöfen und Heißluftöfen – Türdichtungen, Lüfterprofile, Sichtfensterdichtungen
- Pharma und Lebensmittel – Heißabfüll-Schläuche, CIP-/SIP-resistente Dichtungen, Sterilisierschläuche
- Automotive – Motorraumdichtungen, Turboladerschläuche, Auspuffaufhängungen
- Industrieöfen und Trocknungsanlagen – Heißluftschläuche, Türdichtungen
- Brandschutz – feuerbeständige Kabeldurchführungen, Brandschutzklappendichtungen
- Bahnindustrie – feuerresistente Profile nach EN 45545
- Halbleiterindustrie – Reinraum-Dichtungen für Hochtemperatur-Prozesskammern
Worauf bei der Materialauswahl achten?
Die richtige Materialwahl ergibt sich aus vier Faktoren:
- Maximale Dauertemperatur – die Temperatur, die im Normalbetrieb wirklich anliegt, nicht der theoretische Spitzenwert
- Belastungsdauer – intermittierend oder Dauerbelastung. Bei zyklischer Belastung sind Temperaturspitzen weniger kritisch
- Begleitende Medien – Öl, Säure, Wasserdampf, Lebensmittel. Diese verändern die zulässige Maximaltemperatur und können einen Wechsel auf FVMQ oder spezielle Compounds erforderlich machen
- Wirtschaftlichkeit – HTV ist etwa 30–50 % teurer als VMQ. Bei Anwendungen knapp über 200 °C ist die Mehrinvestition meist wirtschaftlich, weil die Lebensdauer um den Faktor 3 bis 5 steigt
Die nachstehende Tabelle stellt die Dauertemperaturbeständigkeit der wichtigsten Elastomere gegenüber – als Orientierungshilfe für die Materialwahl.
| Elastomer | Dauerhafte Temperatur | Bemerkungen |
|---|---|---|
| Naturkautschuk (NR) | max. +80 °C | ungeeignet für Hochtemperatur |
| NBR (Nitrilkautschuk) | max. +100 °C | gut bei Öl, schwach bei Hitze |
| EPDM | max. +150 °C | gut bei Heißwasser und Dampf bis 150 °C |
| VMQ-Silikon | +200 °C | Standard für Hochtemperatur-Dichtungen |
| FKM (Viton) | +230 °C | ölbeständig, teurer |
| HTV-Silikon | +250 °C | höchste Dauertemperatur unter Standardelastomeren |
| FFKM (Perfluorelastomer) | +260 °C | extreme Chemikalienbeständigkeit, hohe Kosten |
Standardsilikon (VMQ) ist dauerhaft von –50 °C bis +200 °C hitzebeständig, kurzfristig bis +300 °C. Hochtemperatursilikon (HTV) erreicht +250 °C dauerhaft und +350 °C kurzfristig. Damit ist Silikon eines der temperaturstabilsten Elastomere und übertrifft EPDM (150 °C), NBR (100 °C) und Naturkautschuk (80 °C) deutlich.
Ja, Silikon zählt zu den hitzebeständigsten Elastomeren überhaupt. Dauergebrauchstemperatur liegt zwischen +200 und +250 °C, kurzfristig bis +350 °C. Die hohe Stabilität beruht auf der Si-O-Si-Bindung im Polysiloxan-Rückgrat, die mit 450 kJ/mol deutlich stärker ist als die C-C-Bindung organischer Polymere. Für Anwendungen über 250 °C werden spezielle HTV-Compounds verwendet.
Nein, Silikon schmilzt nicht. Es ist ein vernetzter Elastomer (Polysiloxan-Netzwerk) und verhält sich grundlegend anders als thermoplastische Kunststoffe. Bei sehr hohen Temperaturen (ab ca. 350 °C) zersetzt sich Silikon thermisch zu Siliziumdioxid (SiO₂), Kohlendioxid und Wasser – ohne flüssige Phase. Im Brandfall bildet sich eine schützende SiO₂-Schicht.
Die thermische Zersetzung von Silikon beginnt zwischen 350 und 400 °C. Hier brechen die Methyl-Seitengruppen am Polysiloxan ab, anschließend baut sich das Si-O-Si-Rückgrat unter Bildung von Siliziumdioxid ab. Der Vorgang ist nicht toxisch und exotherm minimal. Sondercompounds mit Cer- oder Eisen-Stabilisatoren verschieben die Zersetzung um 30 bis 50 °C nach oben.
Nein, kein Standardsilikon hält 500 °C dauerhaft aus. Auch hochstabilisierte HTV-Compounds erreichen maximal 380 °C kurzfristig. Für Temperaturen ab 400 °C werden andere Werkstoffe verwendet: Graphit-Flachdichtungen, expandiertes PTFE oder Glasfaser-Verbundwerkstoffe. Im kurzen Brandfall (Sekunden bis Minuten) hält Silikon thermisch durch die SiO₂-Schichtbildung kurzzeitig auch deutlich höhere Temperaturen.
Hochstabilisierte HTV-Compounds mit Eisenoxid- oder Cer-Wärmestabilisatoren erreichen die höchste Dauertemperatur unter Standard-Silikonen: +250 bis +300 °C dauerhaft, kurzfristig bis +380 °C. Lindemann fertigt diese Sondercompounds für extreme Anwendungen wie Industrieofentüren, Heißluftkanäle und Brandschutzelemente. Bei Bedarf erfolgt eine individuelle Auslegung nach Lastenheft.
Standardsilikon bleibt bis –50 °C voll elastisch. Phenyl-Silikon (PVMQ) erreicht –100 °C, einige Spezialcompounds gehen bis –115 °C. Damit ist Silikon der einzige Elastomer-Werkstoff, der den gesamten Bereich von Kryotechnik (–100 °C) bis Hochtemperaturöfen (+250 °C) abdeckt. Wichtig: die Glasübergangstemperatur liegt bei VMQ um –120 °C, darunter wird das Material spröde.
Rangfolge der Dauertemperaturbeständigkeit: Naturkautschuk +80 °C, NBR +100 °C, EPDM +150 °C, VMQ-Silikon +200 °C, FKM (Viton) +230 °C, HTV-Silikon +250 °C, FFKM (Perfluorelastomer) +260 °C. HTV-Silikon und FFKM sind in der Spitze gleichauf, FFKM ist jedoch etwa zehnmal teurer und hauptsächlich für extreme Chemikalienbeständigkeit relevant.
Hitzebeständiges Silikon vom Hersteller
Lindemann Silikon GmbH fertigt seit über 30 Jahren hitzebeständige Silikonschläuche, -profile, -dichtungen und -formteile für Industrie, Medizin, Lebensmittel und Pharma. Wir beraten Sie bei der richtigen Materialwahl und liefern auf Anforderung Materialdatenblätter, Konformitätserklärungen und Belastungsnachweise. Jetzt unverbindlich anfragen.







