Silikon vs. EPDM: Welcher Dichtungswerkstoff für welche Anwendung?

Silikon und EPDM sind die beiden Standardelastomere für Dichtungsanwendungen – und werden häufig verwechselt. Tatsächlich unterscheiden sie sich in Temperaturbereich, chemischer Beständigkeit, UV-Stabilität und Preis erheblich. Dieser Vergleich zeigt, wann Silikon die richtige Wahl ist und wann EPDM die wirtschaftlichere Alternative bleibt.
Was ist EPDM?
EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Monomer) ist ein synthetischer Kautschuk aus den Monomeren Ethylen, Propylen und einem geringen Anteil Dien. Mit etwa 1,2 Millionen Tonnen Jahresproduktion ist EPDM einer der meistproduzierten Synthesekautschuke weltweit. Seine Stärken liegen in ausgezeichneter Witterungs-, Ozon- und Wasserbeständigkeit – bei vergleichsweise niedrigen Materialkosten.
EPDM hält Temperaturen von –40 °C bis +150 °C aus, ist beständig gegen polare Medien wie Wasser, Wasserdampf, Alkohol und schwache Säuren, jedoch nicht gegen Mineralöle und Kraftstoffe.
Was ist Silikon im Vergleich?
Silikon (VMQ, Vinyl-Methyl-Silikon) basiert chemisch auf einem Polysiloxan-Rückgrat – anders als EPDM kein organisches Polymer, sondern ein Hybrid aus anorganischer Hauptkette und organischen Seitengruppen. Diese Struktur ermöglicht deutlich höhere Temperaturen (–60 °C bis +250 °C bei HTV) sowie biologische und lebensmittelechte Zulassungen.
Der Materialpreis von Silikon liegt typisch bei 8–15 €/kg, EPDM bei 3–5 €/kg – ein Faktor von 2 bis 4. Über die Lebensdauer relativiert sich dieser Unterschied jedoch oft, weil Silikon ohne UV- oder Ozonalterung 20+ Jahre erreicht.
Direkter Vergleich: Silikon vs. EPDM
Die nachfolgende Tabelle stellt die wichtigsten Eigenschaften beider Werkstoffe gegenüber:
| Eigenschaft | Silikon (VMQ) | EPDM |
|---|---|---|
| Dauergebrauchstemperatur | –60 °C bis +250 °C (HTV) | –40 °C bis +150 °C |
| Kurzzeitspitze | +350 °C | +170 °C |
| UV- und Ozonbeständigkeit | ausgezeichnet | ausgezeichnet |
| Wasserbeständigkeit | gut | ausgezeichnet (auch Heißwasser, Dampf) |
| Mineralöl- und Kraftstoffbeständigkeit | begrenzt (FVMQ: gut) | schlecht |
| Lebensmittel- und Pharma-Zulassung | ja (BfR XV, FDA, USP VI) | selten |
| Druckverformungsrest | 10–25 % (gut) | 15–30 % |
| Materialpreis | 8–15 €/kg | 3–5 €/kg |
| Typische Lebensdauer | 20–30 Jahre | 10–20 Jahre |
Wann ist EPDM die richtige Wahl?
EPDM ist wirtschaftlich überlegen bei Anwendungen mit:
- Dauertemperaturen unter 150 °C
- Wasserkontakt oder Heißwasser-/Dampfanwendungen (Sanitär, Heizung)
- Außenanwendungen im Bauwesen (Fensterdichtungen, Dachbahnen)
- Hohen Stückzahlen mit Kostendruck
- Mechanisch hoch beanspruchten Dichtungen ohne extreme Temperaturen
Wann ist Silikon die richtige Wahl?
Silikon ist erforderlich, wenn:
- Dauertemperaturen über 150 °C auftreten (Backofen, Motorraum, Industrieöfen)
- Lebensmittelkontakt oder Medizinprodukt-Zulassungen gefragt sind
- Extreme Temperaturwechsel (–60 bis +200 °C) vorkommen
- Latex-frei (für Allergiker) erforderlich ist
- Lange Lebensdauer von 20+ Jahren wirtschaftlich relevant ist
Mischformen: Wann beides nicht reicht
Bei Kontakt mit Mineralölen und gleichzeitig hohen Temperaturen ist weder EPDM noch Standard-Silikon optimal. Hier sind FVMQ (Fluorsilikon) oder FKM (Viton) die richtigen Alternativen. FKM hält dauerhaft 230 °C bei voller Mineralölbeständigkeit, ist jedoch etwa 5–10× teurer als EPDM.
Häufig gestellte Fragen
Es kommt auf die Anwendung an. Silikon übertrifft EPDM bei Hochtemperatur, UV-Beständigkeit und Lebensmittelkontakt. EPDM ist wirtschaftlicher bei Standardanwendungen unter 150 °C, besonders bei Heißwasser- und Dampfanwendungen.
Beide Materialien sind chemisch kompatibel und können in der gleichen Anlage nebeneinander verwendet werden. Allerdings haftet Silikon nicht direkt auf EPDM – Verklebungen erfordern spezielle Silikon-Primer oder mechanische Verbindung.
Silikon ist deutlich hitzebeständiger. Standardsilikon (VMQ) hält +200 °C, HTV-Silikon +250 °C dauerhaft. EPDM erreicht maximal +150 °C. Für Hochtemperaturanwendungen ab 150 °C ist Silikon Pflicht.
EPDM ist im Heißwasserbereich (bis 100 °C dauerhaft) leicht überlegen, weil es weniger Quellung zeigt und kostengünstiger ist. Für Dampfanwendungen über 130 °C ist Silikon die bessere Wahl wegen höherer Temperaturstabilität.
Beide Materialien sind UV- und ozonbeständig und halten 20+ Jahre im Außenbereich. Silikon zeigt leicht bessere Werte bei extremen Temperaturen (sehr kalt oder sehr heiß), EPDM ist bei normaler Witterung praktisch gleichwertig zu deutlich geringeren Kosten.
EPDM ist etwa 2–4× günstiger im Materialpreis (3–5 €/kg gegenüber 8–15 €/kg). Über die Lebensdauer betrachtet ist Silikon bei anspruchsvollen Anwendungen oft wirtschaftlicher, weil weniger Austauschzyklen anfallen.
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